Niggli Portrait
Friedrich Niggli, Titel
























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     An die deutsche Romantik knüpfte auch der Aargauer Friedrich Niggli (1875 Aarburg–1959 Zollikon) an, der vor allem als Herausgeber von Volksliedern und Märschen bekannt gewordene Sohn des Aarauer Stadtschreibers und Musikschriftstellers Arnold Niggli. In Zürich von Robert Freund, Friedrich Hegar und Lothar Kempter ausgebildet, konnte der Altersgenosse von Maurice Ravel dank des Mozart-Stipendiums in Frankfurt, Rom, Berlin und in Paris weiterstudieren, wo er 1900 den Kompositionsunterricht von Ravels Lehrer Gabriel Fauré besuchte. Noch im selben Jahr in die Schweiz zurückgekehrt, erteilte Niggli erst am Zürcher Konservatorium und von 1921 bis 1936 an der Zürcher Musikakademie Klavierunterricht.
     
     Der 1900 zusammen mit Friedrich Hegar, Hans Huber und Hermann Suter an der Gründung des Schweizerischen Tonkünstlervereins beteiligte Musiker schuf zahlreiche Liederzyklen auf Texte schweizerischer Mundartdichter. Länger als die einst beliebten, von Cuno Amiet mit Federzeichnungen illustrierten Sechs Lieder in Schweizer Mundart (A. Frey) op. 5 und die «Schwyzer Liedli» (M. Lienert) op. 10 haben sich die «Buechfinkeliedli» betitelten Acht Lieder in schweizerdeutscher Mundart von Josef Reinhart op. 16 im Repertoire von Sängerinnen gehalten, die den Charme dieser poesievollen Miniaturen zu schätzen wussten. Mit den leicht hingetupften Staccati der rechten Hand symbolisiert Niggli im Lied «Nach dem Regen» das Fallen der Tropfen mit demselben gestalterischen Feingefühl, mit dem er die «Heimliche Liebe» wiedergibt oder «D‘Liebi» mit überraschenden harmonischen Wendungen charakterisiert.

     Alle «Buechfinkeliedli» sind mit zusätzlichen Liedtexten in deutscher und französischer Sprache erschienen, verdienen sie doch ihre Verbreitung über das im Solothurner Dialekt notierte Original hinaus ohne jeden Zweifel.


Walter Labhart    
Illustration: Dokumentationsbibliothek Walter Labhart CH-5304 Endingen AG
© Vision of Paradise, Music + Art Ruth Juon und Evi Juon, Schweiz