Hans Jelmoli, Titel


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     Hans Jelmoli (1877 Zürich – 1936 Zürich) ist als Komponist längst vergessen, taucht jedoch als Autor der Studie «Ferruccio Busonis Zürcher Jahre» (Zürich 1929) in der Fachliteratur über den Begründer der «Neuen Klassizität» immer wieder auf. Nach seinem Studium am einst von Raff geleiteten Hochschen Konservatorium in Frankfurt am Main, wo Engelbert Humperdinck und Iwan Knorr seine bekanntesten Lehrer waren, trat er als Opernkapellmeister in Mainz und Würzburg in Erscheinung.

Seit den zwanziger Jahren wieder in seiner Geburtsstadt lebend, wirkte Jelmoli als Musikkritiker, Kompositionslehrer und als Pianist, um seine freie Zeit der Komposition von vorwiegend musikdramatischen Werken und Liedern zu widmen. In den von Hug in Leipzig und Zürich veröffentlichten Ausgewählten Liedern finden sich zwischen Vertonungen von Isabelle Kaiser, Hermann Löns, C. F. Meyer und Rainer Maria Rilke mehrere Perlen der Mundartlyrik wie das melancholische Strophenlied «Häiweh» (Ernst Eschmann) und das schon 1921 in der Zeitschrift «Schweiz» veröffentlichte «Liedli» auf ein seltenes Mundartgedicht von Karl Stamm (1890–1919), der in seiner Gedichtfolge «Der Aufbruch des Herzens» (1919) eine expressionistische Sprachkraft entfaltete, die im grössten Gegensatz zur spätromantischen Klangwelt Hans Jelmolis steht.


Walter Labhart    
© Vision of Paradise, Music + Art Ruth Juon und Evi Juon, Schweiz